Bio-Imkerei Glückshonig zieht an den Untermain

Es summt und brummt in Eisenbach. Schon von weitem sieht man die emsigen Bienen der Imkerei Glückshonig umherschwirren. Tausende der fleißigen Insekten der Bio-Imkerei von Jürgen Parg sind nun in der Odenwaldstraße am Ortsrand von Eisenbach zu Hause.

Da die Imkerei Glückshonig am bisherigen Standort Otzberg (Landkreis Darmstadt-Dieburg) nicht expandieren konnte, hat Jürgen Parg sieben Jahre lang nach einem geeigneten Anwesen für seine Imkerei gesucht. Zwischen 60 und 70 Objekte hat er sich angeschaut, bis er vor eineinhalb Jahren auf das 8000 Quadratmeter große Anwesen in Eisenbach aufmerksam geworden ist. Und da der Standort auch klimatisch ideale Bedingungen für die geplante Expansion der Bio-Imkerei bietet, hat er das Anwesen in Eisenbach in der Odenwaldstraße gekauft. „Auch die Verwaltung hat sehr positiv reagiert. Wir wurden sehr gut von der Stadt Obernburg aufgenommen“, erzählt Parg. „Auch die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt war sehr gut“.

Derzeit plant Jürgen Parg noch die Umbauarbeiten. Am neuen Standort sind zukünftig Vertrieb, Werkstatt und Lager der Imkerei untergebracht. Entstehen soll noch ein Schaugarten mit verschiedenen Pflanzenarten, den Gruppen oder Schulklassen besuchen können. Parg hofft, dass der geplante Umbau in zwei Jahren komplett beendet sein wird.

Schon als Kind hat Jürgen Parg sein großes Interesse für Bienen entdeckt. Damals besuchte er Bienenstöcke, die dem Opa eines Schulkameraden gehörten, und beobachtetet fasziniert das emsige Treiben dieser nützlichen Tiere. Und da die Grundlage vieler wichtigen Entscheidungen schon in der Kindheit gelegt werden, ist Jürgen Parg vor zwölf Jahren seiner „alten“ und niemals versiegten Leidenschaft gefolgt und hat die Imkerei zu seinem Beruf gemacht.

Da Jürgen Parg, der viele Jahre erfolgreich in seiner eigenen Firma als Softwareentwickler arbeitete, seine Tätigkeit als Berufsimker nicht nur über seine Leidenschaft sondern auch über sein Fachwissen definiert, war und ist es für ihn selbstverständlich, dieses Wissen systematisch aufzubauen und stetig zu erweitern.

Dank seiner ausgezeichneten Kenntnisse, die er sich beispielsweise im Kurs „Bienen halten“ an der Universität in Hohenheim, in seiner Ausbildung zum Bienensachverständigen (BSV) und beim Sachkundenachweis zum Bestäubungsimker aneignete, konnte Jürgen Parg mittlerweile an einigen wissenschaftlichen Projekten erfolgreich mitarbeiten. Zu nennen ist hier beispielsweise die Teilnahme als Imker im Projekt "Betriebsweisen im Vergleich" (BiV). Aktuell arbeitet er bei Entwicklung einer Varroa-Management-Strategie für hessische Imkereibetriebe mit. In dem durch die EU und das Land Hessen geförderten Projekt der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) soll durch die Entwicklung einer Strategie zur Bekämpfung der Varroa-Milbe der Hauptursache für den Verlust von Bienenvölkern begegnet werden.

Vor diesem praktischen und theoretischen Hintergrund ist es fast schon selbstverständlich und für Jürgen Parg eigentlich schon logisch, dass sich die Imkerei Glückshonig bereits seit sieben Jahren einmal pro Jahr von einer unabhängigen Stelle kontrollieren und Bio-zertifizieren lässt. Die von der Imkerei Glückshonig produzierten Honige dürfen daher als ökologisch-biologische Erzeugnisse das EU-Bio-Logo tragen, da sie die strengen Vorgaben für Herstellung, Verarbeitung, Transport und Lagerung erfüllen.

Neben den ethischen Grundsätzen für die Betriebsweise, Völkervermehrung und Honigernte sind für die Imkerei Glückshonig bestimmte Prinzipien der Umweltverträglichkeit, Natürlichkeit und damit Qualität bindend. Als großen Unterschied zu anderen Imkern sieht Jürgen Parg auch den von ihm präferierten Naturwabenbau: Seine Bienen müssen ohne künstlich eingebaute Wachsplatten ihre Waben selber bauen. Der für die Bienen dadurch entstehend höhere Arbeitsaufwand und und die damit verbundene geringere Honigproduktion wird mehr als kompensiert durch das von den Bienen selbst produzierte, sehr hochwertige Bienenwachs. Durch die wertvolle Verbindung von Bio-Honig und Bio-Wachs kann Jürgen Parg außerdem eine besondere Delikatesse produzieren: Presshonig. Presshonig als besonderes reichhaltiges und köstliches Naturprodukt wird durch einen schonenden Extraktionsprozess aus der vollen Wabe gewonnen. Durch die Pressung der kompletten Waben bleiben im Presshonig im Vergleich zum Schleuderhonig mehr Nährstoffe, wie zum Beispiel Mineralien und Pollen (Eiweiße) enthalten.

Wert legt Parg auch darauf, mit seinen mittlerweile 200 Bienenvölker möglichst wenig zu wandern. Meistens stehen die Bienenvölker an festen Standorten im Odenwald, an der Bergstraße, in Darmstadt und jetzt auch in Eisenbach.

Raps ist die absolute Lieblingspflanze von Jürgen Parg, da sie Bestäubungsleistung und Kreisläufe besonders deutlich werden lässt. Bestäubungsleistung, weil alleine durch eine genaue und abgestimmte Zusammenarbeit mit Landwirten die Erträge trotz unterbliebener Sommerblütenspritzung mit Pestiziden gesichert und sogar gesteigert werden können. Und Kreisläufe, weil Raps sehr anschaulich den Werdegang einer Pflanze von Wachstum, Blüte, Bestäubung und abschließender Ernte deutlich werden lässt. Es verwundert nicht, dass Jürgen Parg neben dem Honig inzwischen auch in seiner eigenen Ölmühle Rapsöl presst, das er neben seinen Honigen auch in der Obernburger Korntruhe verkauft.

Jürgen Parg sieht sich nicht nur als professioneller Bio-Imker. Für ihn sind Bienen keine gefühllosen Insekten sondern Mitgeschöpfe mit einer überragenden ökologischen Bedeutung für die Pflanzenvermehrung. Dank ihrer Bestäubungsleistung erhalten sie die pflanzliche Vielfalt unserer Umwelt und sichern damit auch den Bestand der menschlichen Nahrungsquellen!